Inseln des Lichts – Ausstieg aus dem Ego-Tunnel
Wir alle sind die meiste Zeit mit unseren persönlichen Themen und Problemen beschäftigt: Wie steht es um unsere Gesundheit? Um unsere Beziehungen? Wie verbringen wir unseren nächsten Urlaub? Was nervt uns an unserem Nachbarn? Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Das ist die normale subjektive Perspektive, die der Philosoph Thomas Metzinger den „Ego-Tunnel“ nennt. Wir drehen uns um uns selbst, ohne zu bemerken, dass wir in einer stark eingeschränkten Weltsicht gefangen sind. Genau dies zu erkennen und unsere Perspektive zu weiten ist jedoch der Kern menschlicher Reifung und spiritueller Entwicklung. Denn – und das lehrte bereits der Buddha – je mehr wir nur um uns selbst und um unser persönliches Glück und Unglück kreisen, desto mehr Leid erfahren wir und desto mehr Leid erzeugen wir in der Welt.
Obwohl dies zunächst kontraintuitiv erscheinen mag, erlebe ich genau diesen Zusammenhang täglich in meiner psychotherapeutischen Praxis: Je größer die emotionale Verstrickung, desto stärker die Identifikation mit dem eigenen persönlichen Leid. Bei depressiven Menschen ist dieser Zusammenhang besonders deutlich. Man kann es auch umgekehrt formulieren: Je mehr Trauma wir erfahren haben, je mehr Schmerz wir tragen mussten, desto weniger Kapazität haben wir – verständlicherweise –, uns einfühlsam auf andere Wesen einzuschwingen. Ich schreibe hier bewusst „Wesen“, denn auch Tiere, Pflanzen und die Erde selbst sind empfindungsfähige Wesen.
Wenn wir in die Welt blicken, sehen wir, dass das Leid jener Menschen, die unter Hunger, Krieg oder den Folgen der Klimakrise leiden, weitgehend von Menschen verursacht wird, denen Empathie fehlt und die in ihren egozentrierten Strukturen verhaftet sind. Elon Musk erhebt dies sogar zur Ideologie, wenn er erklärt, die größte Schwäche des Menschen sei seine Empathiefähigkeit.
Entscheidend ist daher: Was wir kollektiv wie individuell erleben, ist im Kern eine Krise des Bewusstseins. Das bedeutet jedoch auch, dass es – auch wenn wir die großen Akteure auf der Weltbühne damit zunächst nicht erreichen werden – wichtig ist, an unserer eigenen Bewusstseinsentwicklung zu arbeiten. Denn wir sind Teil des Netzwerks.
Ich versuche, meinen Teil dieser Arbeit zu tun. Besonders zwei Veranstaltungen, die ich Inseln des Lichts nenne und die auf Spendenbasis stattfinden, möchte ich vorstellen:
Herzkreis am Feuer
Wir treffen uns in der Natur, unter freiem Himmel, am Feuer. Wir singen schöne, einfache Lieder und halten einen „Herzkreis“. Das bedeutet: Jede und jeder erhält den Redestab und kann im geschützten Rahmen des Kreises erzählen, was sie oder ihn gerade im Herzen bewegt – während die anderen wirklich zuhören. Die Wirkung solcher Runden ist oft sehr stark, denn es ist zutiefst heilsam, im sicheren Rahmen und ohne Ratschläge oder Kommentare offen sprechen zu können. Dabei lässt sich die Erfahrung machen, dass der eigene Schmerz kein rein persönliches Problem ist, sondern dass wir alle unsere Themen und Wunden tragen. Im Kreis am Feuer, unter dem Sternenhimmel, kann so ein natürlicher Heilungsraum entstehen.
Kreistanzen und Mantrasingen
Gemeinsam singen und tanzen gehört zu den heilsamsten Erfahrungen, die uns aus dem Ego-Tunnel herausführen können.
